Naturdenkmäler: Musterschüler St. Pölten

von MarketingGrüne Stadt, Gut zu wissen, Standard, , 0 Kommentare

43 Naturdenkmäler zählt man im Stadtgebiet von St. Pölten: 60 Bäume oder Baumgruppen und drei Flächen haben es geschafft, diesen Status zu bekommen. St. Pölten ist damit die klare Nummer 1 in Niederösterreich. Keine andere Gemeinde hat auch nur annähernd so viele Naturdenkmäler wie St. Pölten.

Was zum Naturdenkmal taugt, regelt das Niederösterreichische Naturschutzgesetz. Naturdenkmäler können demnach Einzelbäume, Baumgruppen, Alleen oder Parks, aber auch Quellen, Wasserfälle, Höhlen, markante Felsbildungen oder Schluchten werden, die eine besondere Eigenart oder Seltenheit aufweisen und daher schützenswert sind. 1.400 Naturdenkmäler fanden bislang in Niederösterreich Aufnahme in diese Liste.

Klarerweise stehen Naturdenkmäler unter besonderem Schutz. Alles, was dem Erhalt des Naturdenkmals widerspricht, muss unterlassen werden. Eine strenge Regelung, der sich nicht jeder Grundeigentümer unterwerfen möchte.

Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb seit 2006 kein Naturdenkmal mehr in St. Pölten ernannt wurde. Neben den wirtschaftlichen Interessen der Grundeigentümer gibt es aber auch einen zweiten, erfreulicheren Grund für die lange Pause.

Für Ingrid Leutgeb-Born, Leiterin des Referates Umweltschutz – Lebensraum im Magistrat St.Pölten, ist die Vorreiterrolle St. Pöltens mitverantwortlich für den derzeitigen Stillstand: „Die wichtigsten Objekte sind bereits Naturdenkmäler. Wir haben uns schon sehr früh und sehr intensiv bemüht, wichtige Bäume und Flächen unter Schutz zu stellen. Der erste Baum wurde bereits im Jahr 1979 zum Naturdenkmal erklärt.“

Von den derzeit bestehenden 43 Naturdenkmälern befinden sich 27 auf Privatgrund und 16 auf öffentlichem Gut oder auf Grundstücken der Stadt St.Pölten. Dazu gehören auch die drei flächenhaften Naturdenkmäler: Siebenbründl und der Schilfbestand beim Saubach (beides in Pottenbrunn) sowie die Heißländen in Hart. Eine Liste aller Naturdenkmäler in St. Pölten finden Sie hier.

Ein so hoher Anteil von Naturdenkmälern auf Privatgrund wie in St. Pölten ist eher ungewöhnlich. Kein Wunder, denn die Grundeigentümer sind laut Naturschutzgesetz für die Erhaltung und die Pflege der Naturdenkmäler verantwortlich. Kostenersatz ist im Gesetz nur pro forma vorgesehen. Wer bürdet sich gerne diese Verantwortung auf?

In St. Pölten übernimmt hingegen die Stadtgärtnerei die Pflege von 39 der 43 Naturdenkmäler. Für Robert Wotapek, den Leiter der Stadtgärtnerei, ist das der Schlüssel für die Vorreiterrolle St. Pölten „Es geht nicht nur um die Kosten, sondern auch um das entsprechende Werkzeug und um die fachliche Kompetenz. Die Stadtgärtnerei hat Fachleute mit entsprechendem Know-how und kann auch auf das entsprechende Werkzeug bis hin zum Hubsteiger zurückgreifen.“

Allerdings sind es nicht nur die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, die sich für den Erhalt der St. Pöltner Naturdenkmäler einsetzen, sondern auch viele freiwillige Helfer. So wird das Naturdenkmal Siebenbründl schon viele Jahre lang von freiwilligen Helfern gepflegt.

Wie wichtig der Status eines Naturdenkmals ist, zeigte sich zuletzt bei der Neugestaltung des Schillerplatzes. Die dort stehende Stieleiche wurde 1986 zum Naturdenkmal erklärt und wäre ohne diese Erklärung wohl der Baggerschaufel zum Opfer gefallen. Nun muss alles unternommen werden, um diesen mächtigen Baum trotz Baumaßnahmen zu erhalten.

Einige Naturdenkmäler haben ihren Status wieder verloren. Ingrid Leutgeb-Born klärt auf: „Wenn Bäume durch Krankheiten oder durch Sturm so geschädigt werden, dass sie gefällt werden müssen, wird der Status des Naturdenkmals aberkannt. Die Sicherheit der Menschen geht vor.“

Dieses Schicksal ereilte St. Pöltens erstes Naturdenkmal. Die Esche im Franziskanergarten, die 1979 zum Naturdenkmal erklärt wurde, wurde 2008 durch einen Sturm zerstört und musste gefällt werden.